Sich gehen lassen
Wer hat den Satz noch nicht gehört?: »Laß dich nicht so gehen!« Er wird gerne an zu Erziehende gerichtet und zu lieben Mitmenschen gesprochen.
In der Schule, in der beruflichen Ausbildung und im Elternhause war und ist dieser Satz eine immer wieder gerne ausgesprochene Ermahnung an die lieben Nächsten zu deren gedachtem Nutzen für die Zukunft.Selten haben sich aber ein so Angesprochener und der so etwas Aussprechende wirklich einmal darüber eine rechte Klarheit verschafft, um den eigentlichen tiefen Sinn dieser Ermahnung auch richtig begreifen zu können.
Meist ist ein unwohles Gefühl oder auch das aufkommende Empfinden eines gewissen Unbehagens für den Angesprochenen damit verbunden.
Der so Angesprochene fühlt sich auch heute in irgend einer Form ertappt in seinem persönlichen Lebensstil.
Und das dabei empfundene eigene Erleben und auch das entsprechende körperliche Gefühl haben durchaus ihre große Berechtigung, dabei derart in Erscheinung treten zu können.
Denn diese gesprochene Mahnung richtet sich immer an den eigentlichen Kern des Menschen, an den persönlichen Geist, an das ICH - auch wenn das so von den Beteiligten nicht ganz bewußt erkannt wird.
Der Angesprochene empfindet dabei ganz deutlich, daß es ihn tatsächlich ganz persönlich betrifft und er sich dazu
- dem entsprechend reagierend - einstellen muß.
Es wird auch immer ganz richtig empfunden, daß die eigene Trägheit dabei eine große Rollen spielt.
Und in der Tat, es ist die Trägheit des Betreffenden angesprochen, die geistige Trägheit.Dennoch betrifft heute diese Ermahnung überwiegend nur ganz irdische Angelegenheiten. Das hat mit der heute bestehenden großen Herrschaft des irdischen Verstandes aller Menschen zu tun.
Doch tatsächlich betrifft diese Ermahnung nur den persönlichen Geist des Erdenmenschen; denn dieser muß erwachen, damit er sich nicht mehr derart gefährlich gehen läßt.Alle Menschheit ist diesem »Sich-gehen-lassen« fast gänzlich verfallen und läßt sich derart dem ewigen Todesschlafe entgegen gehen.
Wer sich gehen läßt, der geht nicht mehr selbst und damit nicht mehr eigenständig seinen in dieser Schöpfung von ihm geforderten Weg zu seiner eigenen Selbstverwirklichung in ständig zunehmender geistig persönlicher Reife.
Damit hat er sich selbst aber zu einem Abhängigen von denen gemacht, die ihn gehen lassen, weil er sich von ihnen gehen lassen will.
Die Verantwortung für diese geistige Trägheit liegt aber bei ihm ganz allein, bei ihm persönlich.
Darum sind diese Menschen immer auch die, die dann bei den aufkommenden Folgen der eigenen Versäumnisse die ganze Verantwortung dafür auf andere schieben, auf die, durch die sie sich selbst erst gehen ließen.
Und das geschieht heute auf allen Gebieten menschlichen Wirkens auf der Erde.
Bald jeder Erdenmensch läßt sich heute selbst derart von anderen, durch deren Wollen, gehen.Es ist zu beobachten, daß dieses sehr schlimm ist bei den internen »Umfragen«; wenn es heißt: »Haben Sie schon gehört?«
Kaum jemand bemerkte bisher die darin bestehenden großen Gefahren für die eigenen geistigen Versäumnisse und die dabei immer mehr zunehmende geistige Trägheit aller Erdenbürger.Alle menschlichen Vereinigungen, ganz gleich zu welcher Gruppierung sie zu zählen sind, sind von dieser stillen Seuche gänzlich durchtränkt.
Alle solchen Vereinigungen erwarten ja förmlich von dem einzelnen Mitglied eine zunehmende eigene Versklavung, bei der jeder Führen-wollende der Vereinigung gerade darauf besonders achtet, daß sich das einzelne Mitglied »gehen läßt« - und das dann auch nur in dem Sinne, wie es sich der Führen-wollende der Vereinigung selbst nur vorzustellen vermag.
Das förderte jedoch bisher die unerhörten gegenseitigen Abhängigkeiten auf so manchen Gebieten menschlichen Wirkens, die damit zu geistlosen Attrappen irdisch menschlichen Gebarens verkommen sind.
Und alles das wurde meistens auch noch mit irdisch vertraglichen Vereinbarungen »gegengezeichnet«.
Das ist ein weiterer, großer Triumph der irdischen Verstandesherrschaft!Überall wo Vereinigungen ihre Werke zeigen, sind diese immer auch als parteiische Angelegenheiten zu sehen. Und es wird immer auch von dem »untergebenen Volke« in der Mitgliedschaft dieses »Sich-gehen-lassen« zum Wohle eines »gemeinsamen-Gehens« von jedem einzelnen Anhänger unabänderlich gefordert.
Denn alle Vereinigungen, gleich welcher Zugehörigkeit, sind immer auch als parteiisch zu erkennen. Auch das ist das Zeichen der verheerenden Verstandesherrschaft auf Erden.
Wie soll aber damit jemals ein rechtes Aufblühen auf dieser Erde im Sinne der vollkommenen und harmonischen Gottesgesetze entstehen, wenn weiterhin das rechte, geistige und persönliche Wohl des einzelnen Menschen derart mißachtet wird?
Und diese Mißachtung betreibt auch jeder Mensch, der sich derart weiterhin persönlich noch gehen läßt! -Das betraf nun bis hierher die trübe und falsche Seite dieses Satzes: »Laß dich nicht so gehen!«
Denn es ist von ganz entscheidender Bedeutung, diesen Satz in seinem rechten Lichte der Wahrheit nun zu erkennen.
Der Mensch soll und muß geistig frei werden.
Dazu muß er sich auch bewußt geistig bewegen.
An oberster Stelle steht dabei die Forderung an den Menschen, zunächst einmal mit sich selbst ehrlich und damit der Wahrheit entsprechend umgehen zu lernen.
Nur über diesen Weg vermag er für sich die geistige Freiheit in voller Eigenverantwortung zu erlangen.
Und wenn er erst einmal geistig frei geworden ist, so vermag er auch »sich selbst gehen zu lassen«.
Denn SICH ist bezogen auf das ICH, und das ist er, der Mensch als Menschen-GEIST.Wenn ein Mensch also wahrhaft geistig ist, so vermag er auch selbst geistig zu gehen.
Und dieses »Sich-gehen-lassen« ist dann für ihn sein eigenes, bewußtes und damit persönliches Geisteswollen. Das dann in die irdischen Taten so umzusetzen ist, daß daraus für ihn ein tatsächliches »Sich-gehen-lassen« aus dem geistigen Wollen heraus im Irdischen geworden ist.
Dann hat die einseitige, überhebliche und alles unterdrücken wollende Verstandesherrschaft auf Erden »ausgedient«. Damit ist dann der irdische Verstand endlich zu einem untergeordneten Diener des Geistes geworden, und er muß sich tatsächlich - vom Geiste ausgehend - »gehen lassen« - zum Wohle eines segensreichen und friedevollen irdischen Ganzen aller recht nach Licht und Wahrheit strebenden Menschen auf Erden.Denn irdischer Verstand ist nicht GEIST. Und GEIST ist nicht irdischer Verstand.
Dieses wollen jedoch irdische Verstandesmenschen nicht einsehen. Vielleicht können sie das auch nicht mehr verstehen. Es ist dann aber ihre eigene Schuld. Sie sind dann geistig zu träge für das rechte Verständnis dafür.
Und es ist unsagbar tragisch für diese Welt der Erdenmenschen, daß diese Menschheit bis heute die Schöpfungsart GEIST in ihrer wirklich bestehenden Beschaffenheit noch nicht einmal für sich richtig erkannt hat.
Erst wenn sich das Erkennen dafür für alle Welt erfüllt hat, erst dann werden sich auch alle irdischen Umstände um die Menschen selbst zu ihrem eigenen Glück und Frieden segensreich ändern können.Doch die Änderung dazu muß ein jeder Erdenmensch für sich selbst ganz alleine erledigen.
Kein anderer, keine Kirche und keine Organisation vermag dieses für ihn regeln zu können.
Im günstigen Idealfall kann ihm jedoch von anderer Seite dafür eine Hilfe zur Selbsthilfe geboten werden.
Dazu muß er selbst jedoch ein echter Wahrheitssucher sein.
Anders wird ihm kein wirklich wahrer Erfolg werden können. -Nun denke ich, das sollte zunächst genügen und die Leser selbst zu eigenem Nachdenken auch über diese Zusammenhänge so angeregt haben, daß ihnen dazu noch viele weitere Zusammenhänge für ihre eigene geistige Befreiung bewußt werden können.
Das Gebiet ist sehr groß, es betrifft wirklich alles menschliche Wirken.***
H. K. B.
Dezember 2001
Überarbeitet im Juli 2004 - Januar 2010
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